
Ausbilder und Berufsschullehrer aus sechs europäischen Ländern arbeiteten drei Jahre an einer engeren Verbindung von schulischer und praktischer Ausbildung. Von Europa lernen
Abschlussveranstaltung des ETT Tandem (European Trainer Teacher Tandem) im BBZ Hildesheim. Ausbilder und Berufsschullehrer aus sechs europäischen Ländern arbeiteten drei Jahre an einer engeren Verbindung von schulischer und praktischer Ausbildung.
Kopenhagen, Valencia, Linz, Olbia, Kozani und Hildesheim – das waren die europäischen Stationen der Bildungsexperten aus den Ländern Dänemark, Griechenland, Italien, Österreich, Spanien und Deutschland. Im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Programmes Erasmus+, Strategische Partnerschaften für berufliche Bildung, hat die Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH) gemeinsam mit fünf Partnerorganisationen das Projekt im Jahr 2014 ins Leben gerufen.
„Ein besonderes Projekt“, so Antonio Mir vom Institut XABEC (für technische Ausbildung) aus dem spanischen Valencia, „denn dies war kein Austausch zwischen den Führungsspitzen der Länder, sondern zwischen den Lehrern und Ausbildern.“ Ein Projekt für diejenigen, für die die Ausbildung junger Menschen zum Tagesgeschäft gehört, also die Stärken und Schwächen der eigenen Berufsbildungssysteme am besten kennen. Für ZWH-Projektkoordinatorin Svenja Prinz war das Pilotprojekt ein großer Erfolg: „Es ging um intensive Einblicke in das reale Arbeits- und Lehrumfeld, um den Austausch von Wissen, Ideen und Entwicklungsmöglichkeiten des Lehrens.“
Das System der dualen Ausbildung, das es neben Deutschland so nur noch in Österreich, der Schweiz, Dänemark und im italienischen Südtirol gibt, gewinnt allerdings auch in anderen EU-Staaten immer mehr Anhänger. Sie wird vor allem als Mittel zur Integration von jungen Menschen in den Arbeitsmarkt erkannt. So versteht sich der spanische Projektpartner XABEC als Pilotschule für die Umsetzung einer dualen Ausbildung, bei der neben der Berufsschule auch ein Betrieb Ausbildungsinhalte vermittelt. Für eine flächendeckende Umsetzung müsse allerdings die Akzeptanz in den Ländern wachsen, weiß Prinz. „Überzeugte Praktiker etwa in Spanien stehen diesbezüglich unter anderem vor der Herausforderung, den Betrieben in ihren Ländern zu erklären, weshalb sie den Lehrlingen eine Ausbildungsvergütung zahlen sollen“, so die Projektkoordinatorin. Argumentationshilfen für die duale Ausbildung brachten die europäischen Partner für ihre Gastgeber mit und legten diese auch bei Runden Tischen mit Akteuren aus Politik, Wirtschaft und Sozialpartnern dar.
Im interkulturellen Austausch voneinander lernen und – insofern möglich – die als gut erachteten Impulse in den eigenen Unterricht einfließen lassen, darum ging es auch für Mirko Marhauer, der als BBZ-Fachbereichsleiter Metall und Sanitär-Heizung-Klima für den deutschen Projektpartner am Programm teilnahm. „In Dänemark ist man in puncto Digitalisierung in der Ausbildung einfach noch einmal ein Stück weiter als in Deutschland – das war wie ein kleiner Blick in unsere Zukunft. Denn da müssen wir in den kommenden Jahren auch hinkommen“, so Marhauer.