Perjuf
HWK

Zehn Teilnehmer der Maßnahme PerjuF-H absolvieren derzeit ein sechswöchiges Praktikum in verschiedenen Betrieben. Für einige Geflüchtete war gleich die erste Praxiserfahrung im Handwerk eine Punktlandung.Nächster Halt: Ausbildung

Besser könnte es für Abdallah Alabidin Zain aus dem Sudan im Moment kaum laufen. Bereits im vergangenen November gab er beim Start der Maßnahme PerjuF-H (Perspektive für junge Flüchtlinge im Handwerk) an, dass sein Berufswunsch der Kraftfahrzeugmechatroniker sei. Innerhalb der Praxisphase testeten daraufhin alle Teilnehmer ihr Geschick in fünf verschiedenen Handwerken, darunter auch im Kfz-Handwerk. „Viele kamen sprachlich im Kfz-Bereich schlichtweg nicht hinterher“, weiß Cidem Baris, Erziehungswissenschaftlerin bei der konzeptionell durchführenden QuAsS gGmbH. Abdallah Alabidin Zain aber wollte es wissen und die durchaus komplexen Vorgänge irgendwo zwischen Prüfstand und Messelektronik unbedingt verstehen. Am Ende hat er durchgehalten - und das zahlt sich jetzt aus.

Seit nunmehr fünf Wochen ist er Praktikant bei Homann Automobile in Deinsen. Betriebsinhaber Karsten Homann redet über seinen Schützling in den höchsten Tönen: „Am liebsten möchte ich ihm noch in diesem Sommer einen Ausbildungsplatz anbieten aber er muss sprachlich noch ein wenig nachlegen“, so Homann. 2018 soll es dann aber soweit sein. „Vorab können wir ihn in zwei fortführende Maßnahmen aufnehmen, damit er beruflich am Ball bleibt“, so Isabella Wolter, HWK-Fachbereichsleiterin Unternehmensführung und Projekte. Im Zuge von BOF (Berufsorientierung für Flüchtlinge) könnte demnach ein weiteres vierwöchiges Praktikum bei Homann folgen, die sogenannte Einstiegsqualifizierung (EQ), als finale Vorbereitung auf die Ausbildung, würde Alabidin Zain dann bereits vergütet bekommen.

In den Gesprächen, die QuAsS-Geschäftsführer Günter Kaune, Isabella Wolter und Cidem Baris mit den Betriebsinhabern vor Ort führen, wird deutlich, dass sich die Betriebsinhaber eine gezielte berufliche Vorbereitung der jungen Geflüchteten in den Berufsbildungszentren der Kammer ausdrücklich wünschen. Zudem fordern die Betriebsinhaber eine intensivere sprachliche Beschulung durch die Träger der Maßnahme. Die Notwendigkeit sieht auch Malermeister und Restaurator André Parpeix von Natur-Concept aus Hildesheim. „Ich bin Franzose und musste vor 30 Jahren auch bei null anfangen“, sagt Parpeix, der nach einigen Jahren als Geselle den deutschen Meister im Malerhandwerk absolvierte. In seiner Muttersprache kann er sich wunderbar mit Praktikant Mohammed Mariko von der Elfenbeinküste unterhalten, für eine vollständige berufliche und gesellschaftliche Teilhabe in Deutschland wird ihm das nur nicht viel nützen, weiß Parpeix aus eigener Erfahrung. Für Günter Kaune sind solche Rückmeldungen aus der betrieblichen Praxis wichtig, um gemeinsam mit den politischen Akteuren unter anderem das sprachliche Angebot für Geflüchtete noch besser aufzustellen. „Die kleinen Erfolge zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und dass eine Fortführung des Projekts mehr als nur wünschenswert ist. Das Feedback der Betriebsinhaber zeigt darüber hinaus, wo wir inhaltlich nachjustieren, die Zusammenarbeit mit den Behörden verbessern und die Betriebe bei bürokratischen Hürden unterstützen müssen“, schlussfolgert Kaune.

Dass die Fahrtrichtung stimmt, bestätigen auch Godehard und Doris Höweling, Betriebsinhaber von Godis Backstube aus Hildesheim. Mit Moha Ibrahim Abdullaahi haben beide einen geborenen Nachwuchs-Bäcker gefunden. „Er ist engagiert, pünktlich und fragt eigeninitiativ nach neuen Aufgaben, wenn er mit seiner Arbeit fertig ist“, freut sich die Chefin. Das vom Fachkräftemangel stark betroffene Bäckerhandwerk könne Menschen wie ihn gut gebrauchen, findet auch Betriebsinhaber Höweling. Für dieses Jahr hat das Ehepaar erfreulicherweise bereits einen anderen Auszubildenden gefunden, mit Blick auf 2018 können sich beide aber durchaus vorstellen, Abdullaahi als Azubi in ihr Team aufzunehmen. Das Projekt PerjuF-H basiert auf einer Kooperationsvereinbarung zwischen dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), der Bundesagentur für Arbeit und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Ein großer Dank gilt allen Betrieben und Institutionen, die den Geflüchteten mit einem Praktikum eine echte Chance auf ein Leben in Südniedersachsen geben:

-       Bäckerei M. Krone GmbH, Elzer Str. 120, 31137 Hildesheim

-       Emre Haustechnik Heizung-Sanitär, Winkelstr. 14, 31137 Hildesheim

-       Homann Automobile, Hinter der Kirche 2,31036 Eime/OT Deinsen

-       HELIOS Klinikum Hildesheim, Senator-Braun-Allee 33, 31135 Hildesheim

-       Heil & Sohn GmbH & Co KG, Karl-Schiller-Str. 2, 31157 Sarstedt

-       Haarstudio Nora, Leunisstr. 1, 31137 Hildesheim

-       Alfelder Kunststoffwerke Herm. Meyer GmbH, Hildesheimer Str. 78, 31061 Alfeld (Leine)

-       Godis Backstube, Godehard- Str. 42, 31139 Hildesheim

-       Mätschke Malerfachbetrieb GmbH, Radlerstraße 12A, 31135 Hildesheim

-       Natur-Concept – Gesunde Raumgestaltung und mehr, Richard-Gerlt-Straße 2, 31137 Hildesheim

Sie möchten in Ihrem Betrieb jungen Zugereisten auch erste Einblicke in einen Handwerksberuf geben? Die Mitarbeiter der Projekte IHAFA und PerjuF-H freuen sich über Ihr Engagement.

Günter Kaune

Geschäftsführer QuAsS gGmbH

Borsigstraße 6-10

31135 Hildesheim

Tel. 05121 162-116

Fax 05121 33836

guenter.kaune--at--quass-hildesheim.de