
Pilotprojekt: Die Studierenden Hilpert und Braun (2. und 3. v.l.) starten Meisterschule.
"Metaller" müssen künftig nicht mehr zwischen Studium und Meisterausbildung wählen - sie machen beides.Meisterbrief und Studienabschluss
Seit einigen Jahren sind Kooperationen zwischen der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Künste in Hildesheim (HAWK) und der Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen ein fester Bestandteil des regionalen Bildungsangebotes. In zahlreichen Gewerken und Fachrichtungen profitieren Handwerker und Studierende von Synergien und interdisziplinären Programmen beider Häuser. Die neueste Kooperation soll nun noch einen Schritt weiter gehen: In vier bis sechs Semestern (abhängig von der künstlerischen Befähigung) können Meisteranwärter und Studierende der HAWK sowohl ihren Meistertitel im Metallbauerhandwerk als auch den Bachelor of Arts im Studiengang Metallgestaltung absolvieren. Ein Kooperationsvertrag wird von beiden Partnern aktuell noch vorbereitet.
An der Idee haben Professor Hartwig Gerbracht, Diplom-Designer Cord Theinert, Werkstattleiter an der HAWK und Mirko Marhauer, Metallbauermeister und Fachbereichsleiter für Metall- und Schweißtechnik /SHK in den Berufsbildungszentren, intensiv gearbeitet. Ein eigens dafür erstellter Semesterplan gewährt schon jetzt detaillierte Einblicke in den Ablauf des Studienganges inklusive Meisterausbildung für beide Zielgruppen. Für Professor Gerbracht liegt der Mehrwert für „seine“ Studierenden klar auf der Hand: „Die HAWK bildet Absolventen aus, die sehr gute Gestaltungskompetenzen haben, durch die Meisterausbildung im BBZ aber wichtiges zusätzliches Wissen in den Themenbereichen Statik, Betriebsorganisation und Konstruktion erwerben können.“ Kompetenzen also, die auch Metalldesigner mit Blick auf ihre künftige Berufstätigkeit gut gebrauchen können.
Von einem Gewinn für die Meisterschüler der Kammer, die zusätzlich den Bachelor anvisieren, spricht auch Marhauer: „Der Markt erwartet heute von selbstständigen Metallbauer- oder Feinwerkmechanikermeistern einwandfreie technische und regelkonforme Kompetenzen aber auch ein Auge für Design und Ästhetik. Und Letzteres wird den Metallbauermeistern durch ein parallel absolviertes Studium auf höchstem Niveau vermittelt.“
Der gemeinsam erarbeitete Rahmenlehrplan wird jetzt getestet. Er sieht in beiden Fällen eine Verkürzung des Studiums oder der Meistervorbereitung um 25 Prozent vor. Der Gesellenbrief ist in jedem Fall eine Zugangsvoraussetzung – ganz gleich, ob die Bewerber mit der Meisterschule oder einem Studium beginnen. Zwei Studierende beginnen bereits in Kalenderwoche 5 ihre zusätzliche Meisterausbildung im Metallbereich der Berufsbildungszentren. Der Metallbauer Simon Braun (27) und der Feinwerkmechaniker Daniel Hilpert (24), beide im vierten Semester, freuen sich auf die neue Herausforderung und auf die fachliche Vertiefung.