Hildesheim Kulturhauptstadt 2025?

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Mitglieder des Forum Handwerk Hildesheim e.V. diskutieren mit Hartwig Kemmerer und Dr. Thomas F.W. Schodder vom Freundeskreis 2025 der Kulturregion Hildesheim e.V. über Grenzen und Chancen.Hildesheim Kulturhauptstadt 2025?

Der 2015 in Hildesheim ausgetragene Tag der Niedersachsen und die zahlreichen Aktivitäten rund um das 1200-jährige Jubiläum Hildesheims haben etwas mit der Stadt und dem Landkreis gemacht, sind sich beide Referenten Kemmerer und Schodder sicher. Seither steht unbenommen fest: Hildesheim kann großartiger Gastgeber für Feste sein, Menschen von überall her kommen gern zu Besuch und die Stadt muss sich in puncto Sehenswürdigkeiten nicht verstecken. Hildesheim hat gute Gründe ein gesundes Selbstvertrauen an den Tag zu legen. Aber Kulturhauptstadt – ist das nicht ein wenig drüber? Einen Slogan hat man zumindest schon: „Du bist Kultur“.

Seitdem sich 1986 Athen als erste aller Städte mit dem Titel „Kulturhauptstadt“ schmücken durfte, ist das Vorurteil perfekt: Nur die Hauptstädte, Metropolen und Weltstädte haben das Privileg sich Kultur vor den Namen schreiben zu dürfen. „Dabei stimmt das gar nicht“, so Kemmerer. Mit Weimar (1999) war bereits eine mittelgroße deutsche Stadt und mit der griechischen Kleinstadt Paphos sind 2017 gerade einmal knapp 33.000 Menschen für ein Jahr Kulturhauptstädter. Auch ginge es nicht darum, schon besonders viele Sehenswürdigkeiten in der Stadt vorzuhalten. „Nur weil da ein Gebäude wie der Kölner Dom oder das Brandenburger Tor in meiner Stadt steht, sichert das längst nicht den Titel“, berichtet Kemmerer.

Vielmehr ginge es inzwischen um Städte aus der „zweiten Reihe“, die Zukunftsvisionen entwickeln (müssen), Ideen und Konzepte des kulturellen Zusammenlebens und sozialen Miteinanders in ihre Bewerbung aufnehmen und sukzessive umsetzen.

Die diskussionsfreudige Runde stellt schnell fest, dass Konzepte, wie Hildesheim und der Landkreis zukunftsfähig gemacht werden können, ohnehin in den kommenden Jahren entwickelt werden müssen. Zum Beispiel wird man auf Fragen, wie es gelingen kann, junge Menschen in der Stadt zu halten, Studierenden Gründe zu geben, hier wohnen zu wollen, Antworten finden müssen. Warum das politische und kulturelle Engagement also nicht parallel mit einer Bewerbung verbinden? Nur womit genau ist die Frage? Breslau machte mit Flucht/Vertreibung die dreimalige Umwälzung der kompletten Bevölkerung zum Thema, Leuuwarden (Holland) nahm die höchste Arbeitslosenquote des Landes und entsprechende Integrationsprojekte in die Bewerbung auf (und wird 2018 Kulturhauptstadt) und das Ruhrgebiet warb 2010 mit „Woanders is auch scheiße“. Aber worin liegt Hildesheims Entwicklungspotential?

„Man stehe am Anfang des Prozesses“, sagt auch Co-Referent Schodder. Es ginge darum, den Diskurs und die Suche nach Ideen möglichst offen und unter Beteiligung aller Bürger zu führen. Ist Hildesheim vielleicht zu normal? Ist Normalität vielleicht schon das, was uns besonders macht – die Normalsten der Welt? Und was kostet das am Ende überhaupt? Bringt allein das Bewerbungsverfahren Vorteile mit sich, von dem Landkreis und Stadt später profitieren können – auch wenn man nicht gewinnt? Und wie bindet man die Kreisstädte richtig in das Bewerbungsverfahren ein?  

Am Ende, so stellen alle Teilnehmer fest, gibt es viele Fragen, die beantwortet werden wollen, damit die bis 2018 einzureichende Bewerbung nicht zur Nullnummer wird. In der Politik und in Teilen der Kultur und Wirtschaft hat die Idee zahlreiche Befürworter, als alleiniger Antragsteller entscheidet die Stadt Hildesheim Anfang April über die Bewerbung. (sp)

Informationen unter: www.hi2025.de