
Beim Zukunftstag am 27. April im BBZ Hildesheim gab es für 50 Kinder wieder viel zu tüfteln und zu entdecken.Gebt den Kindern das Kommando
Der in dieser Größenordnung zum dritten Mal veranstaltete Zukunftstag im BBZ kam auch in diesem Jahr besonders gut bei den Gymnasiasten aus Hildesheim und Umgebung an. Bei den Kindern im Alter von 10 bis 16 Jahren lag der gymnasiale Anteil bei rund 70 Prozent. Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen gaben einige Schüler selbst. „Das ist eine coole Abwechslung zur Theorie in der Schule“, befand der 13-jährige Maximilian Dreßler vom Hildesheimer Scharnhorstgymnasium. Ganz ähnlich sah dies auch Simar Mustafa Bilgim, Gymnasium Himmelsthür: „Solche Arbeiten kennen wir nur aus dem Werkunterricht aus der Grundschule.“
Nach dem Wegfall der Orientierungsstufe in Niedersachsen ist das Angebot von berufsorientierendem Praxisunterricht in sämtlichen Schulformen tatsächlich stark zurückgegangen. Das daraus entstandene Vakuum für ergebnisorientierte Arbeiten, bei denen möglichst zeitnah ein greifbares Ergebnis sichtbar wird, könnte ein Ansatz sein, um die Beliebtheit des Zukunftstags im BBZ zu erklären. „Wir hätten noch weitaus mehr Schülerinnen und Schüler aufnehmen können, nur standen uns keine weiteren Werkstätten zur Verfügung“, weiß Laura Weißmann, Veranstaltungsmanagerin der Handwerkskammer.
Die rund 100 Anmeldungen – von denen nach dem Windhundprinzip 50 Plätze vergeben wurden – kamen vorwiegend über die offizielle Homepage der bundesweiten Aktion. Einige Mädchen und Jungen bekamen den Tipp „BBZ“ allerdings auch von Mitschülern, die in den zwei Vorjahren dabei waren. „Ich habe von der Abwechslung zwischen den Stationen gehört und dass man Sachen herstellt, die man später mitnehmen darf“, so Schülerin Miray Cevik.
An insgesamt fünf Stationen konnten die Nachwuchshandwerker ihr Geschick unter Beweis stellen. Die im Metallhandwerk produzierten Schlüsselanhänger, die mit CNC-Technik gravierten Namensschilder und die Smartphone-Halter aus Blech konnten selbstverständlich mitgenommen werden.
Der ursprünglich nur als Girls Day initiierte bundesweite Aktionstag hatte sich von Anfang an das Thema Chancengleichheit in sogenannten Männerberufen auf die Fahnen geschrieben, mit dem Ziel, Mädchen für eine berufliche Laufbahn in technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen zu begeistern. Im Gegenzug sollen Jungen beim heutigen Zukunftstag auf Berufe aufmerksam gemacht werden, in denen mehrheitlich Frauen tätig sind. Im Fachbereich Friseurhandwerk hatten einige Jungen erstmals mit Lockenstab und Glätteisen zu tun. Mit diesen zauberten sie schöne Frisuren an Modellköpfen. Die Mädchen zeigten wiederum ihr Geschick im Bereich Kraftfahrzeugtechnik. „Wir haben mit je einer Mädchen– und einer Jungengruppe Radwechsel auf Zeit durchgeführt“, so Falko Hagen Mohr, Mitglied im Meisterprüfungsausschuss und Betreuer der Station Kfz. Mit 2:10 Minuten lag das Mädchen-Team weit unter dem des besten Jungen-Teams (3:43 Minuten).
Zu Beginn des insgesamt achtstündigen Schnuppertags füllten alle Teilnehmer einen Berufswahltest aus. Die beliebtesten Handwerksberufe in dieser Gruppe sind demzufolge Friseur, Hörakustiker, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Augenoptiker und Zimmerer. Die Auswertung hat zudem ergeben, dass sich 50 Prozent der Schülerinnen und Schüler nach dem Zukunftstag eine Ausbildung im Handwerk vorstellen können.