
Gut besuchte Infoveranstaltung von "Handwerk im Dialog" brachte Licht in das Thema Personalrecruiting.Bekommt jeder Chef das Personal, das er verdient? Jein!
Mit einem durchaus provokanten Veranstaltungstitel informierte die Handwerkskammer am 9. November rund 60 Gäste über die Themen Fachkräftesuche und Mitarbeiterbindung in der Mehrzweckhalle des Berufsbildungszentrums. Ulrich Temps, Geschäftsführer von TEMPS GmbH Malereibetriebe, verdeutlichte unter anderem wie die erfolgreiche Gewinnung von Auszubildenden in seinem Handwerksunternehmen funktioniert. „Neben der Teilnahme an diversen Berufsorientierungsmessen, setzen wir auch auf Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen, in denen unsere Auszubildenden den Klassen das Berufsbild des Malers und Lackierers vorstellen“, so Temps. Zu den weiteren Maßnahmen des Hauses gehören Knigge-Seminare, Auslandsaufenthalte für motivierte Azubis und teambildende Workshops für Lehrlinge und Patengesellen.
Die Idee der Patenschaft, bei der ältere Mitarbeiter den handwerklichen Nachwuchs betreuen, stellte auch Hans-Dieter Rittmeier, Leiter der Berufsbildungszentren, vor. „Das Ausscheiden eines langjährigen Facharbeiters oder Gesellen, ist ein herber Verlust für jedes Unternehmen. Stellen Sie also mit einer Patenschaft zwischen einem Altgesellen und einem Azubi sicher, dass das Wissen nicht vollständig verloren geht“, forderte Rittmeier.
In beiden Fachvorträgen spielte Wertschätzung und Aufmerksamkeit eine entscheidende Rolle: Die Generationen Y und Z geht es nicht nur ums Geld. Die jungen Menschen wünschen sich sinnstiftende Tätigkeiten, ein regelmäßiges Feedback vom Chef, flexible Arbeitszeiten und After-Work-Maßnahmen mit den Kollegen“, so Rittmeier. Damit es überhaupt dazu kommt, dass sich Interessenten bei einem Unternehmen bewerben, setzen beide Referenten auf individuell gestaltete Online-Stellenanzeigen und eine gute Navigation auf der Homepage, damit sich Bewerber mit wenigen Klicks über die Karrieremöglichkeiten im Unternehmen informieren können.
Die rund 60 Teilenehmer nahmen im Anschluss an einer lebhaften Diskussion und stellten einander ihre Maßnahmen im Personalrecruiting vor. Begrüßungsmappen mit allen relevanten Informationen zum Unternehmen, vielleicht auch ein kleines Geschenk am ersten Arbeitstag seien demnach kleine Aufmerksamkeiten, die die Mitarbeiter so schnell nicht vergessen würden. Dass die die Suche nach Personal Chefsache ist, gehörte für alle Beteiligten zu den wichtigen Erkenntnissen des Abends. Nur was ist mit den vielen kleinen Betrieben ohne Personalabteilung, die nicht alle vorgestellten Maßnahmen personell oder finanziell umsetzen können? „Es geht nicht darum alles auf einmal anzupacken“, schlussfolgert Rittmeier. „Online-Stellenanzeigen sind beispielsweise oft auch kostenfrei, der finanzielle Aufwand für Begrüßungsgeschenke oder Kooperationen mit Schulen hält sich auch in Grenzen. Man muss sich aber inhaltlich mit dem Thema Personal befassen wollen.“
Am Ende kann es für jedes Unternehmen hilfreich sein, mit Spezialisten an individuell zugeschnittenen Lösungsansätzen zu arbeiten. Die Handwerkskammer bietet dafür unter anderem mit dem Projekt „BeAm – Bedarfsgerechtes externes Ausbildungsmanagement für Klein- und Kleinstunternehmen“* die nötige Unterstützung beim Einstellungsprozess von Auszubildenden an.