
HWK-Geschäftsführer Jürgen Garms im Gespräch.Ausbildungsbilanz 2016 // Ein kleines Plus aber mehr Abbrüche
Hintergrund:
Zum 31.12.2016 verzeichnete das Verzeichnis der Ausbildungsverträge der Handwerkskammer 3471 Ausbildungsverträge in den Handwerksbetrieben des südlichen Niedersachsens. Das sind 72 Verträge mehr als Ende Dezember 2015 und entspricht einem moderaten aber erfreulichen Zuwachs von 2,2%.
Ist also alles in Ordnung, gibt es keinen „Schönheitsfehler“?
Dieser erfreuliche Punkt bedeutet leider nicht, dass Entwarnung gegeben werden kann. Schaut man auf die Zahl der im Jahr 2016 neu eingetragenen und am 31.12.2016 noch bestehenden Ausbildungsverträge ergibt sich ein ernüchterndes Bild. 1292 Verträge stehen 1333 aus dem Vorjahr gegenüber.
Wie passt das zusammen?
Nun, es handelt sich hier um eine Stichtagsbetrachtung, die bereits um die Verträge bereinigt ist, die im gleichen Jahr wieder gelöscht worden sind. 213 Verträge sind 2016 bereits innerhalb der ersten vier Monate beendet worden. Dies sind 61 mehr als 2015.
Was führt zu den hohen Abbruchzahlen?
Sicher gibt es Fälle, in denen die Vorstellungen und die Realität der Ausbildung bei den Lehrlingen oder den Ausbildungsbetrieben nicht zusammenpassten. Es ist eben immer noch ein Unterschied, ob man ein Praktikum absolviert oder nun echte Aufträge erfüllen soll. Aber ein alarmierender und wachsender Anteil der Löschungen ergibt sich zunehmend aus Verträgen, die eingetragen worden sind, aber gar nicht erst zur Umsetzung kommen.
Welche Gründe gibt es dafür?
Der Ausbildungsmarkt ist heute ein Nachfragermarkt. Das heißt, die Schulabgänger haben heute eine Auswahl an Angeboten, wie es sie, zumindest seit der Wiedervereinigung noch nie gegeben hat. Viele Handwerksbetriebe gehen heute viel aktiver auf die Schulabgänger zu als früher. Sie versuchen sich den Nachwuchs für ihre Ausbildungsstellen schon im Winter oder Frühjahr zu sichern. Nicht alle Jugendlichen erfüllen dann die geschlossenen Verträge, sondern wählen kurzfristig noch vermeintlich attraktivere Angebote der Industrie oder der Hochschulen.
Wie hilft die Kammer den Betrieben, die ausbilden wollen und weiterhin suchen?
Durch die Unterstützung beim Zueinanderfinden möglichst passgenauer Lehrlinge und Betriebe, durch die Gewinnung von Studienaussteigern, durch Workshops zur Verbesserung der Ausbildungsqualität und die Qualifizierung von Geflüchteten.